Interview zum Thema Gesten und Körpersprache

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Interview zum Thema Gesten und Körpersprache 2017-04-21T13:17:52+00:00

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Interview zum Thema Gesten und Körpersprache

Eine Geste sagt mehr als 1000 Worte – Nadine Kmoth

Beim Bloggerevent von Lavera drehte sich alles um unsere besten Freunde, unsere Hände, die jeden Tag so viel für uns leisten – auch beim Kommunizieren. Aber wie setze ich Körpersprache bewusst ein und was bewirkt sie? Diese Fragen hat uns Nadine Kmoth, Coach für Körperrhetorik beantwortet.

Lavera: Wir kommunizieren jeden Tag, ständig und können eben „nicht nicht-kommunizieren“. Was ist für Sie das spannende an der Kommunikation?

Kurz gesagt: Inkongruenzen. Das bedeutet, wenn die Körpersprache etwas anderes sagt, als das gesprochene Wort. Da werde ich wach. Es ist äußerst spannend, diese Inkongruenzen zu erkennen, wenn man die Signale des Gesprächspartners deuten kann. Ein Beispiel, das bestimmt alle kennen: Wenn man mit jemandem spricht und derjenige einen ganz freundlich anlächelt und sagt „wir kümmern uns darum“, man aber das Gefühl hat, dass er eigentlich sagen möchte „bitte gehen Sie, sie stören mich hier gerade.“ Dieses Gefühl rührt daher, dass seine Körpersprache das Gegenteil von dem sagt, was er ausspricht. Dann handelt es sich um eine Inkongruenz.

Lavera: Sie sind Begründerin der Körperrhetorik – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Die Körperrhetorik ist eine von mir entwickelte und geschützte Methode in sieben Steps, bei denen es darum geht, Körpersprache zu erlernen. Also Menschen besser lesen zu lernen. Es geht um die bewusste Reflexion und Entschlüsselung von Körpersprache. Diese sieben Steps bestehen aus Ritualen, also z.B. Begrüßung, Bewegungen wie z.B. mein Gang, Standarten, z.B. bei Präsentationen, Sitzarten, z.B. bei Vorstellungsgesprächen und in Verhandlungen, Gesten, Mimik und die vier Charaktertypen.

Lavera: Wie unterscheidet sich Körperrhetorik von Körpersprache?

Während die Körpersprache eben die „Sprache des Körpers“ ist und damit auch viel an Gewohnheiten gebunden ist, beschreibt die Körperrhetorik den bewussten Einsatz der Körpersprache. Körperrhetorik ist die Kunst der Körpersprache.

Lavera: In Ihrem Buch „Eine Geste sagt mehr als 1000 Worte“ schreiben Sie über „Verständigung durch Verständnis“ – was genau meinen Sie damit?

Das bedeutet zunächst, den Körper meines Gesprächspartners lesen zu können, also bewusst hinzuschauen und zu analysieren, was die Körpersprache meines Gegenübers sagt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ich mich auf meinen Partner einstellen kann. Hierbei gilt das Synchron Prinzip: Wenn mein Gesprächspartner ein dominanter Typ ist, tue ich gut daran, ebenfalls Dominanz aufzubauen. Es geht also darum, mich in den Charakter des Anderen hinein zu versetzen und diesen zeitweise zu übernehmen. Nur so ist ein Gespräch erfolgreich und führt zum Ziel.

Lavera: Worauf sollte man unbedingt achten, wenn man sein Gegenüber überzeugen möchte? Gibt es einen Insider-Tipp, den Sie mit unseren Leserinnen teilen möchten?

Achten Sie auf Kongruenz! Je kongruenter unsere Körpersprache und das gesagt Wort ist, desto höher sind die Erfolgschancen. Wenn ich wütend bin, hilft es wenig, meinen Zorn zu überspielen und mit einem „alles gut“ herunter zu spielen. In so einer Situation kann man durchaus auch mal sagen, dass man jetzt wütend ist.

Ein zweiter Tipp ist: Seien Sie sichtbar! Nehmen Sie sich den Hahn als Vorbild und plustern Sie sich ruhig auf. Warum? Wer präsent ist, strahlt automatisch aus, dass er Ahnung hat. Das muss natürlich nicht immer der Fall sein, aber wenn man das weiß, kann man dieses Wissen durchaus für sich nutzen.

Lavera: Welche Rolle spielt Attraktivität bei der Überzeugungskraft? Was ist für Sie Attraktivität?

Studien belegen, dass wir zu 70% über das Äußerliche gehen. Der Mensch ist ein sehr visuelles Wesen und wir sind wiederum geprägt von den Medien. Ein attraktives Erscheinungsbild wirkt auf uns automatisch überzeugender. Dabei spielt die Körpersprache eine wesentliche Rolle: Wer aufrecht und offen den Raum betritt, wirkt natürlich attraktiver, als jemand, der in sich zusammen gesunken in den Raum schleicht.
Ich persönlich mag Typen, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen und sich durchaus auch etwas erarbeiten müssen. Das macht einen Menschen für mich interessant und damit auch attraktiv.

Lavera: Wovon lassen Sie sich überzeugen?

Von Berührungen. Man sagt auch „Menschen, die berührt werden, fühlen sich berührt“. Bei mir trifft das auf jeden Fall zu. Natürlich hat da jeder seine eigenen Grenzen und für manche sind Berührungen von fremden Menschen ein absolutes No-Go. Auch da gilt wieder, sich in den Gesprächspartner hinein zu versetzen und seine Körpersprache zu lesen.

 Das Interview führte Catharina Siemer.