Kopf ab – Gefährliche Körpersprache

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Bei einer Verabredung mit Olivia Jones würde mir dieser Fehler nicht unterlaufen. Ich kenne sie von Angesicht zu Angesicht (habe sie neulich als Tourist Guides auf Stankt Pauli vorüberziehen sehen) und ich kenne viele, allerdings von Medien publizierte Hintergründe über sie. Würde ich diese Hintergründe nicht kennen, wirkt sie auf mich etwas zu groß geraten (für eine Frau) und ich empfinde ihre laute Mimik und affektierte Gestik aufdringlich und störend, etwas overloadet.

Ich würde dieses körpersprachliche Verhalten, auf eine Persönlichkeitseigenschaft von ihr zurückführen und da ich aufgesetzte und überzeichnete Menschen nicht sonderlich leiden mag, würde ich sie als Freundin für mich nicht in Betracht ziehen.

Ich habe Olivia in Millisekunden in meine Schubladen gesteckt.

Fundamentaler Attributionsfehler

Diese sehr menschliche Neigung, nämlich den Einfluss dispositionaler Faktoren (Anlagen einer Person) wie Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Meinungen, systematisch zu überschätzen und äußere Faktoren, also situative Einflüsse und den Kontext zu unterschätzen, nennt man in der Psychowelt einen Attributionsfehler (Lee Ross).

Das bedeutet: Ich unterschlage bei meiner Meinungsbildung den Kontext und alle Umstände die zu Olivias sichtbarem Verhalten geführt haben. Ich unterschlage bspw.  den Umstand, dass sie in einer medialen Rolle steckt und ihre Mitmenschen genau dieses Verhalten von ihr erwarten. Ich unterschlage ebenfalls, dass sie als Mann auf die Welt kam und so weiter und so fort.

„Wenn Du weißt was Du machst, kannst Du tun was du willst!“

Uns sollte allerdings klar sein, dass die meisten Mitmenschen nichts über diesen fehlerhaften Vorgang wissen und uns automatisch verurteilen. Nehmen wir mal an, ich reagiere am Gate aggressiv auf eine Stewardess, dann werde ich bei ihr als aggressive Ziege bezeichnet und zwar grundsätzlich. Mein situatives Verhalten wird fälschlicherweise als ein Persönlichkeitsmerkmal bei ihr abgespeichert. Dabei war es schon dunkel, es war heiß und ich hatte Hunger. „Quängel!“ Die eigene Wirkung auf andere zu kennen ist also mordswichtig, denn nur dann können wir gegensteuern.

Fiese, ungerecht und hundsgemein

Wer wertschätzende kommunizieren will  sollte nicht zu schnell urteilen, sondern sich einen Moment Zeit lassen um den Kontext zu berücksichtigen. Mitmenschen in Schubladen zu stecken, diese zuzuschließen und den Schlüssel wegzuschmeißen ist genau so ungerecht, wie das Enthaupten von Boten in der Antike die schlechte Nachrichten überbrachten. Bereits in dieser Epoche mussten Menschen Ihren Kopf für etwas hinhalten, was zwar augenscheinlich richtig erschien, doch im Zusammenhang echt ungerecht.

 

By | 2017-04-20T15:46:20+00:00 Oktober 28th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Kopf ab – Gefährliche Körpersprache

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