Seit fast 30 Jahren bin ich im Geschäft – und ich habe mich lange gedrückt.
Das Wort Charisma fand ich ehrlich gesagt peinlich. Also habe ich es konsequent vermieden. Was eigentlich ein bisschen crazy ist, da meine Arbeit zu einem großen Teil, die Grundlage für Charisma darstellt.
Kürzlich habe ich eine Reportage von Nano gesehen, die meine Abneigung dieses Wort zu benutzen, etwas relativiert hat.
Was für mich tatsächlich nichts Neues war:
Charisma entsteht nicht nur durch Sprache,
sondern wird zu 1/3 über Körpersprache transportiert,
zu 1/3 über die Intelligenz
und weiteres 1/3 über die Fähigkeit, sich Mitmenschen interessiert und emotional (warm) zu zuwenden.
Doch was mich richtig überrascht hat:
Charisma wirkt nur dann, wenn Sender und Empfänger die gleichen Werte teilen.
Was bedeutet das konkret für bspw. ein Führungskraft die sich vorstellt oder vor ihrem Team spricht?
Wenn der extrovertierte Sales Manager auf der Bühne steht – voller Energie, Präsenz und Überzeugungskraft, kann es trotzdem sein, dass sich das eher introvertierte Team des Innendienst, überhaupt nicht angesprochen fühlt.
Charisma ist also keine universelle Superkraft. Sie kann allerdings ein Verstärker sein, für die entsprechenden Menschen bzw. die richtige Zielgruppe.
Max Weber, ein viel zitierter Sozialwissenschaftler, beschäftigte sich bereits vor 100 Jahren, mit den unterschiedlichen Formen von Charisma. Dazu muss man wissen, dass Charisma fast ausschließlich in Bezug zu Führung und Herrschaft untersucht wurde und noch wird und fast immer im Zusammenhang mit Machtausübung im Zusammenhang steht.
Einer seiner drei Typen von legitimer Herrschaft, war die charismatische Herrschaft. Sie basiert auf dem Glauben an die außergewöhnlichen, heiligen oder vorbildlichen Fähigkeiten einer Person, wie es bspw. bei Propheten oder Revolutionären geschieht. So wie Barack Obama, Mutter Teresa oder der Dalai Lama.
Und ist Charisma angeboren?
Fabiola Gerpott, Professorin für Wirtschaftswissenschaften hat sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und beschreibt Charisma als eine Art Handwerkszeug. Es ist ungefähr zu einem großen Teil angelegt, vor allem bei extrovertierte Menschen, was also als eine Art Startkapital zur Verfügung steht. Doch auch Startkapital kann verspielt, vernachlässigt oder aktiv vergrößert werden.
Mein Fazit:
Charisma kann eine echte Superkraft sein.
Doch wenn die Werte nicht übereinstimmen, kippt es schnell
und wirkt eher peinlich als anziehend.
Die entscheidende Frage ist also nicht:
👉 Wie wirke ich charismatisch?
Sondern:
👉 Wie wirke ich grundsätzlich im Business, um andere Menschen bzw. unterschiedliche Zielgruppen zu überzeugen?
Wenn du jetzt meinst, Lichtjahre von einer charismatische Ausstrahlung entfernt zu sein, so möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen: Die meisten Menschen mit Charisma verfügen nie über das ganze Paket, sondern strahlen Charisma aus, entweder:
- über Fähigkeit, dem Gegenüber warm und emotional entgegen zu treten
- über ihre fachliche Kompetenz
Steve Jobs hat beispielsweise ein Charisma über Präsenz und Fachkompetenz entwickelt, doch die Fähigkeit dem anderen warm und emotional entgegen zu treten, die fehlte ihm scheinbar komplett.
Laut der amerikanischen Sozialpsychologen Amy Cuddy basiert Charisma auf zwei Kernfaktoren Wärme und Kompetenz. Die Studien der Harvard Professoren zeigen, dass Menschen, die beides kombinieren, als charismatischer wahrgenommen werden. Denn: Wärme allein macht sympathisch, aber nicht zwingend überzeugend.
Für deine grundlegende Auftrittskompetenz in Meetings, Präsentationen und Vorträgen habe ich etwas für dich: am 15. Juni findet mein offenes Training zu diesem Thema statt. Den Begriff Charisma, findest du hier nicht. Bei mir heißt es schlicht und ergreifend Präsentationsstraining – Für mehr Souveränität und Sicherheit.
Den Abschluss Blogartikels überlasse ich dem Musiker Götz Alsmann:
„Es gibt einen Unterschied zwischen Charisma und dicken Eiern.“




