Du sagst „Ich bin ganz ruhig“, doch deine Stimme klingt gepresst und deine Hände sind angespannt. Oder du möchtest etwas Ernstes ansprechen und lächelst dabei, obwohl dir gar nicht danach ist. In schwierigen Gesprächen lohnt sich der Blick darauf, ob Worte, Stimme und Körpersprache zu deinem inneren Erleben passen.
Mein Schwerpunkt als Expertin für Körpersprache und Führungskommunikation ist die nonverbale Wirkung: Was zeigst du von dir? Wie kommt es beim Gegenüber an? Und was nimmst du bei der anderen Person wahr? Anhand solcher Fragen kannst du dein persönliches Verhalten genauer kennenlernen und bewusster gestalten.
Kongruenz statt aufgesetzter Gelassenheit
Kongruenz bedeutet Übereinstimmung. In meiner Arbeit geht es darum, Sprache, Stimme und Körpersprache mit dem inneren Befinden in Verbindung zu bringen. Wenn diese Ebenen zusammenpassen, kann dein Ausdruck als authentisch erlebt werden und Vertrauen fördern.
Du darfst dich ärgern und du darfst Verärgerung zeigen. Entscheidend ist, ob du weißt, wie du sie ausdrückst und ob deine Wirkung dem entspricht, was du beabsichtigst. Eine nach außen behauptete Ruhe kann irritieren, wenn andere gleichzeitig deutliche Anspannung wahrnehmen.
Authentizität gibt dir keine pauschale Antwort darauf, wie du dich verhalten solltest. Sie beginnt mit ehrlicher Selbstwahrnehmung. Wie du dein Empfinden in dieser Situation ausdrückst, bleibt eine bewusste Entscheidung.
Ein Satz, unterschiedliche Signale
Nimm den Satz „Darüber ärgere ich mich gerade“. Sprich ihn einmal so, wie du ihn tatsächlich sagen würdest. Was hörst du in deiner Stimme? Was machen dein Gesicht, deine Schultern und deine Hände? Passt der Ausdruck zu deinem Empfinden oder versuchst du, ein anderes Bild zu vermitteln?
Das ist ein Beispiel zur Wahrnehmung deiner Wirkung. Es soll dir zeigen, wie unterschiedlich derselbe Satz klingen und aussehen kann. Du brauchst dafür keine vorgegebene Geste. Suche einen Ausdruck, in dem du dich wiedererkennst und dessen Wirkung du einschätzen kannst.
Was du bei deinem Gegenüber beobachten kannst
Höre nicht nur auf den Wortlaut, sondern auch auf Tonfall, Tempo und Pausen. Schau auf Mimik, Gestik und Haltung und darauf, ob sich etwas im Gespräch verändert. Du kannst etwa bemerken, dass jemand nach einem bestimmten Thema stiller wird oder mit größerer Spannung spricht.
Die Beobachtung erklärt noch nicht das Gefühl oder seine Ursache. Eine einzelne Geste ist kein verlässlicher Beleg für Ablehnung, Ärger oder Zustimmung. Beziehe die Situation ein und frage nach, wenn du etwas verstehen möchtest. Die eigene Wahrnehmung und die Auskunft des anderen können unterschiedlich sein.
Wenn du erst einmal zur Ruhe kommen möchtest
Es kann sinnvoll sein, dir vor oder während eines angespannten Gesprächs einen Moment zu nehmen. Ich nutze im Coaching auch Embodiment, also die bewusste Einbeziehung des Körpers in die Wahrnehmung und Beeinflussung des inneren Zustands.
- Spüre, wie dein Rücken an der Stuhllehne anliegt.
- Nimm den Kontakt deines Gesäßes zur Sitzfläche wahr.
- Richte die Aufmerksamkeit auf deine Fußsohlen und ihren Kontakt zum Boden.
- Beobachte, ob du mehr Halt empfindest und sich deine Anspannung verändert.
Du kannst ausprobieren, ob diese kurze Wahrnehmungsübung dir hilft, etwas ruhiger zu werden. Wenn dein innerer Zustand sich verändert, prüfe auch, was du an Stimme und Körpersprache bemerkst. Entscheidend ist deine eigene Erfahrung mit der Übung.
Deine Wirkung vorab überprüfen
Wähle einen Satz aus einer schwierigen Situation und beschreibe zunächst für dich, was du dabei empfindest. Nimm dich anschließend allein in einer kurzen Übung mit dem Smartphone auf. Verwende keine Aufnahme eines echten Personalgesprächs.
- Sprache: Entsprechen die Worte dem, was ich empfinde und ausdrücken möchte?
- Stimme: Wie wirken mein Tonfall, meine Lautstärke und mein Tempo?
- Körpersprache: Welche Spannung, Bewegungen oder Veränderungen erkenne ich?
- Kongruenz: Passen diese Ebenen zueinander und zu meinem inneren Zustand?
Erprobe anschließend eine kleine Veränderung und vergleiche beide Aufnahmen. Eine konkrete Rückmeldung einer vertrauten Person kann dir helfen, Unterschiede zwischen deinem Selbstbild und deiner Wirkung zu erkennen. Was für dich ein schwieriges Gespräch darstellt, ist übrigens seht individuell. Doch das Verhalten unter Stress, ist immer ähnlich und dabei ist es egal ob es sich um ein Kritik- ein Feedbackgespräch, ein Gehaltsgespräch, oder auch ein Gespräch zum Thema Kündigungen handelt.
Wobei ich dich im Coaching unterstütze
Im Führungskräfte-Coaching in Hamburg oder online bearbeiten wir die nonverbale Seite deiner Gesprächssituationen. Wir verbinden Selbstwahrnehmung und Fremdwirkung und erproben einen Ausdruck, der zu dir passt. Mein Angebot ergänzt Führungskräfte-Maßnahmen; allgemeine Gesprächsführung, Konfliktlösungsverfahren und Personalentscheidungen sind nicht sein Schwerpunkt.
Für Unternehmen biete ich Körpersprache-Training für Führungskräfte in Hamburg an. Wenn du neu in der Führungsrolle bist, findest du weitere Anregungen im Artikel über Akzeptanz und authentisches Auftreten als junge Führungskraft.
Erzähl mir, in welchem Gespräch du deine Wirkung besser verstehen möchtest.
Über die Autorin: Nadine Kmoth ist Expertin für Körpersprache und Führungskommunikation. Ihr Coachingstudio in Hamburg eröffnete sie 1998. Sie ist Autorin von „Körpersprache kompakt für junge Führungskräfte“. Mehr über Nadine Kmoth.
Häufig gestellte Fragen zu schwierigen Gesprächen als Führungskraft
Welche Körpersprache unterstützt mich in einem schwierigen Gespräch?
Es gibt keine einzelne richtige Haltung für jedes schwierige Gespräch. Entscheidend ist, ob Sprache, Stimme und Körpersprache zu deinem inneren Empfinden passen. Nimm deine Spannung, Mimik, Gestik und deinen Tonfall wahr. Prüfe, ob du damit ausdrückst, was du tatsächlich empfindest und zeigen möchtest. Diese Übereinstimmung nennen wir Kongruenz.
Darf ich in einem schwierigen Gespräch zeigen, dass ich verärgert bin?
Ja, Verärgerung darf in deinem Ausdruck erkennbar sein. Entscheidend ist, dass du wahrnimmst, wie du sie über Worte, Stimme und Körpersprache zeigst und ob die Wirkung deinen Erwartungen entspricht. Du entscheidest bewusst, wie du dein Gefühl in dieser Situation ausdrücken möchtest. Im Coaching reflektieren wir dieses Zusammenspiel anhand konkreter Situationen.
Wie nutze ich Embodiment, wenn ich im Gespräch angespannt bin?
Nimm einen Moment lang den Kontakt deines Rückens zur Stuhllehne, deines Gesäßes zur Sitzfläche und deiner Fußsohlen zum Boden wahr. Beobachte, ob du dadurch mehr Halt empfindest und etwas ruhiger wirst. Solche körperbezogenen Wahrnehmungsübungen nutze ich im Coaching. Welche Übung zu dir passt und wie sie deinen inneren Zustand verändert, erkunden wir individuell.
Wie kann ich meine Wirkung vor einem schwierigen Gespräch überprüfen?
Beschreibe zuerst, was du bei einem bestimmten Satz empfindest und ausdrücken möchtest. Nimm dich dann allein in einer Übungssituation auf. Vergleiche Worte, Tonfall, Mimik, Gestik und Haltung mit deinem beschriebenen Empfinden. Erprobe eine kleine Veränderung und prüfe erneut, ob dein Ausdruck stimmig wirkt. Konkretes Feedback kann deine eigene Wahrnehmung ergänzen.




