Wer weiß schon genau, welche Informationen überzeugen und beim anderen hängen bleiben. Angeblich behalten wir 90 % des gelernten Wissens über Aktivität. Also durch selber sprechen, selber aufschreiben und selber anwenden.  Alle Welt spricht immerhin, von dem ach so wichtigen Praxisbezug, von praktischer Umsetzung, von Best-Practice und neuerdings auch von blendet Learning (gemischte Lernformen), nur sehen tue ich leider wenig davon. Was ist also das Rezept, um als Dienstleister, Führungskraft, Coach, Trainer, Lehrer von den eigenen Ideen, Inhalten und Produkten digital zu überzeugen?

Meine persönliche digitale Reise, begann im Herbst 2020 Fahrt aufzunehmen. Ich hatte bereits seit etlichen Jahren die sozialen Medien für mich entdeckt, doch nie Live-Trainings, Coachings geschweige denn Vorträge im Netz gehalten, um mein Wissen zu vermitteln. Meine Reise war und ist immer noch nicht annähernd perfekt. Und keinesfalls vergleichbar mit einer Tour in einem ausgebauten VW Bus (T7), auf wundervoll asphaltierten Straßen, dem Mistral im Rücken, die Sonne im Gesicht und mit einem klaren Ziel vor Augen (ohne Grenzkontrollen). Meine digitale Reise gleicht eher einer Fahrradtour über Kopfsteinpflaster. Holprig, voller Schlaglöcher, mit vielen Stopps und Grenzen und noch viel mehr Tälern und Gegenwind.

Unsinnlich ist unsinnig

Mal abgesehen von meiner völlig minderbemittelten technischen Ader, bin ich jedoch eine ausgebildete und erfahrene Vollblut- Kommunikationstrainerin. Das Wissen um die entscheidenden Zutaten in unserer Kommunikation erleichtert mir, auch auf einer begrenzten Präsentationsfläche, wie auch mit begrenzten Mitteln meine Teilnehmer und Kunden zu erreichen. Grundsätzlich unterscheidet sich die analoge von der digitalen Performance nicht so wahnsinnig voneinander, wenn es um Inhalte geht.  Eine Sache ändert sich allerdings um so mehr: Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist in der digitalen Kommunikation sehr viel kürzer, als in der analogen Welt. Das liegt an den reduzierten Sinnen, also dem kompletten Wegfall des haptischen, gustatorischen und olfaktorischen Sinns (tasten, schmecken und riechen) und der damit einhergehenden reduzierten und somit eintönigen Wahrnehmung des Rezipienten.

Tempo und Methodenwechsel

In den unzähligen online Meetings, fällt mir als Teilnehmer immer wieder auf, dass ich nach kurzer Zeit ermüdet bin. Weshalb? Weil ich nichts zu tun habe, außer zuzuhören. Ich folge dem Redefluss, wie einer Zutatenliste fürs Einkaufen und notiere mir gelegentlich etwas von Wert. Wenn es mich brennend interessiert, bleibe ich auch länger als 15 Minuten konzentriert, ansonsten würde ich mich des Öfteren liebend gerne woanders hinbeamen, nur verbietet mir das meine Höflichkeit. Eine befreundete Lehrerin klagte neulich über unruhige, unkonzentrierte und unhöfliche Schüler beim Online-Unterricht. Ein paar Fragen später war ziemlich deutlich, was sie verbessern könnte: Das Tempo erhöhen und die Präsentationsmethoden schneller wechseln.

Gerne würde ich mich stärker beteiligen, indem ich bspw. aktiv über die tollste Digitalkamera, den leckersten Sauerteig oder die schlausten Anlagemöglichkeiten nachdenken muss und Fragen dazu beantworten kann, indem ich mich in Breakout-Räum mit anderen austauschen kann, oder indem ich einem Magic-Pencel folgen darf, der mir von Geisterhand Geheimnisse auf dem Whiteboard offenbart, die ich noch nicht kannte. Außerdem hätte ich gerne eine Prise Storytelling. Content ist King, aber nicht ohne Emotionalität, denn ohne sie ist Content für mich schlecht verdaubar. Ich möchte emotional mitgenommen werden, ich möchte mich von amüsanten Kurzgeschichten verführen und begeistern lassen. Und das alles mit dem Ziel, Neugierde und Spannung zu erleben, die mich davon abhalten, innerlich wie äußerlich auszusteigen. Ich möchte mich von einem begeisterten Menschen überzeugen lassen, der etwas zu erzählen hat und der scheinbar nur auf mich gewartet hat.

Zusammenfasst würde ich sagen: Hohes Tempo, Methodenwechsel und Begeisterung erhöhen die Spannung und erhöhen die Aufmerksamkeit für uns und unsere Ideen. In diesem Sinne: Es gibt nichts Gutes außer wir tun es!